LJ80, das Biest.

Mein Suzuki LJ80.

 

Aufgenommen 1986 mit der Canon A1, Foto wiedergefunden, eingescannt und mit PhotoShop etwas tagtauglicher bearbeitet.

 

In Gedanken an dieses knallharte Urviech habe ich mich in vergangenen Fotoforen "ElJot" genannt.

 

Zu der Zeit war der LJ80 mein Drittfahrzeug.

 

1986 vierjährig, frisch TÜV-abgenommen für 4500,00 DM mit sichtbaren Roststellen beim Suzuki-Händler gekauft.

 

Hubraum 800 ccm, 41 PS, Vmax: 110 kmh. Viersitzer mit zwei gegenübergestellten Notsitzen im Fond.

 

Vom Händler nach Hause gefahren, einen Tag ausprobiert und dann in der Garage in seine Einzelteile zerlegt. Das Reparaturhandbuch hatte ich schon vor dem Kauf.

 

Der LJ80 wurde ursprünglich für die australische Armee konzipiert und die hat nun mal kein Streusalz auf den Straßen. Suzuki hat die Fahrzeuge ab 1980 auch nach Europa geliefert und hier waren sie dem Rostfraß ausgeliefert.

 

Die Karosserie-Anbauteile und die Karosserie habe ich sandstrahlen und verzinken lassen. Einige noch sichtbare Roststellen habe ich ausgeschliffen und mit Flamme und Telekom-Stangenzinn verzinnt.

 

Diverse Spachtel- und Schleifarbeiten möchte ich nicht weiter erwähnen.

 

Alle Hohlräume wurden mit Fettspray versiegelt, den Unterboden so gut es ging blankgeschliffen und mit Telekom-Kabelisolierungsspray behandelt. Irgendwie kam das Zeug plötzlich in meine Arbeitstasche. Und das Zeug war saugut. Nach drei Jahren war der Unterboden immer noch blank und ohne Roststellen.

 

Die bewegliche Technik des LJ war fehlerlos.

Nach der Neumontage musste der LJ80 lackiert werden. Die Angebote der ortsansässigen Betriebe erschienen mir zu hoch.

 

Bei einem Autoteilehaus habe ich nach ähnlicher Farbe gesucht. "Mercedes-Hunter" kam der Farbe sehr nahe. Also habe ich (Achtung, kein Schreibfehler) 20 Spraydosen Grundierung und 50 Spraydosen Huntergreen bestellt. Der damalige Preis pro Spraydose lag bei 5 DM. Das hatte mein LJ sich verdient.

 

In meiner Garage gab es einen Stromanschluß.

 

Sechs Rotlichtlampen (zum Trocknen) habe ich rechts und links in der Garage installiert und die Garagenwände, wir wohnten zur Miete, mit Zeitungspapier abgeklebt.

 

Dann ging es los.

 

Vorhandenen Lack stumpf schleifen und reinigen. Nicht lackierbare Elemente abkleben, Licht an, Garage zu und los mit der Grundierung. Immer wieder eine Pause einlegen und unter Rotlicht trocknen lassen.

 

Die Grundierung habe ich zwei Tage unter Rotlicht trocknen lassen.

 

Danach habe ich sie mit Papierkörnung 400 nass geschliffen.

 

Noch ein Tag Trocknung.

 

Jetzt war "Huntergreen" zur Lackierung bereit.

 

Nach drei Dosen Huntergreen gab es zwei Stunden Rotlicht in Ruhe. So ging es weiter. Ich war stolz auf mich, alle Spraydosen waren nach wenigen Tagen verbraucht, aber nicht eine einzige Spraynase, bzw. Rotznase war gelaufen.

 

Mein Geländebiest war nun nach 6 Wochen (Urlaub und Attest bescheinigter Grippe, danke Doc!!!) fertig.

 

Ich habe, Allrad sei Dank, Gelände damit befahren, da hätte mancher Wanderer seine Probleme.

 

Und mein kleiner Sohn, 1980 geboren, war oft dabei, hat der entsetzten Mutter später berichtet, was wir wieder alles gemacht haben.

 

Der LJ bekam noch ein leichtes Sommerverdeck (Bikini-Top) und wegen dem nicht reduzierbaren, aber bekannten Lenkradspiel ein kleineres 36 cm Raid-Lederlenkrad. (Das Raid-Lenkrad gab es nicht für den LJ80, aber für den inzwischen größeren SJ 410 mit gleichem Lenkgetriebe. Also habe ich die ABE vom SJ410 kopiert und hinzugefügt: auch für LJ80 ab Seriennummer xxxxx.) Damit war die Tüv-Abnahme in Ordnung und das Lenkrad wurde in die Zulassung eingetragen.) Stereogerät mit 4 Lautsprechern und einen Drehzahlmesser wurden noch montiert.

 

Drei Jahre habe ich den LJ80 dann mit jeder Menge Spaß bewegt.

 

Anlässlich einer allgemeinen Verkehrskontrolle 1988 wurde ich aufgefordert, die auf der Anhängerkupplung aufgesetzte Handspielpuppe "Teufelchen" umgehend zu entfernen.

 

Dazu war ich aber nicht bereit, saß doch Teufelchen schon bei der Hauptuntersuchung durch den TÜV-Rheinland dort. Die Plakette habe ich für den Top-Zustand des LJ80 ohne Problem bekommen.

 

Einen Anhänger besaß ich nicht, warum also Teufelchen abnehmen?

 

Darauf wollte sich der Uniformierte nicht einlassen, ließ nun seine Macht und den Ton etwas rauer werden.

 

"Wenn Sie nicht umgehend die Puppe entfernen, kostet Sie das ein Verwarnungsgeld von 5 Mark".

 

Ich: "Ok, bezahle ich. Machen Sie bitte das Knöllchen fertig".

 

Nach Aushändigung des Knöllchens die Frage des Uniformierten, warum ich so gehandelt habe.

 

Breit grinsende Antwort von mir: "Weil ein neues Teufelchen im Kaufhof 9 Mark kostet".

 

Damit startete ich meinen LJ, das ungläubige Gesicht des "Grünen Mannes" konnte ich noch im Rückspiegel sehen.

 

Für den LJ80 habe ich nach dreijähriger Nutzung noch 6500 DM bekommen, 2000 DM mehr als beim Einkauf. Zur Verkaufszeit war der LJ80 absolut rostfrei.

 

Der neue Besitzer hat ihn nach 4 Wochen wegen fahrerischer Blödheit (Allrad ersetzt Gehirn) in die Leitplanke gesetzt. Ruft mich an, ich möge ihm bei der Reparatur SEINES LJ bitte behilflich sein.

 

Mein Mordgedanke blieb nur ein Gedanke… .